Ein junger Reseller erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Kaufen und Verkaufen von Markenartikeln

In den USA hat es angefangen, wie so vieles, und seit einigen Jahren ist es nun auch in Europa üblich: das Reselling von Markenartikeln, vor allem von Sneakern. Paul, ein fünfzehnjähriger Schüler aus einer deutschen Großstadt, der bereits vor Monaten auf diesen Zug aufgesprungen ist, erzählt im Interview von seinen Erfahrungen.

DAS NETZ: Was ist Reselling?

Paul: Gute Frage, schwer zu beantworten. Eigentlich ist es nur das Kaufen limitierter Sachen, bei denen die Nachfrage höher als die hergestellte Stückzahl ist. Kauft und verkauft man als Reseller dann diese Waren, zahlen die Kunden mehr, da sie keine andere Wahl haben. So macht man Profit.

DAS NETZ: Welche Waren fallen so üblicherweise in das Repertoire eines Resellers?

Paul: Unterschiedlich. Meistens Schuhe, zum Beispiel Yeezys, Jordans oder Dunks, aber auch generell Klamotten, Technik wie Grafikkarten oder Konsolen, und Sammlergegenstände wie Pokémon-Karten oder NFTs, ausgeschrieben Non-Fungible Tokens, das sind sowas wie digitale Sammlerkarten. Die NBA zum Beispiel hat solche NFT „Topshots“ rausgebracht, welche für tausende von Dollars gehandelt werden.

DAS NETZ: Wie beginnt man mit Reselling?

Paul: Also eigentlich ist das ganz simpel, Schuhe kaufen und sie für mehr weiterverkaufen, von dem Geld dann wieder andere kaufen und so weiter und so fort, Kapitalismus eben. Um aber einfacher an Schuhe zu kommen, sollte man sich in Social-Media-Bereiche der Community begeben, vor allem auf Twitter und Discord. Dort findet man leicht sogenannte „Cook Groups“, also erfahrenere Leute, die einem mit ihrem Wissen bei Tools helfen. Diese Gruppen kosten circa 30€ bis 70€ im Monat und haben bis zu 1000 Mitglieder. Eine Art dieser Tools sind Bots. Diese kann man bei Webseiten runnen lassen, was leider nicht so leicht ist, wie es klingt. Man muss darauf achten, dass Verzögerungen richtig eingestellt sind, andere Regionen in Proxys ausgewählt werden (Proxys sind sowas wie VPNs, sie verschleiern deine eigentliche IP-Adresse), Capture Codes durch E-Mails umgangen werden und mehrere Kreditkarten angegeben sind, um nur mal ein paar Punkte zu nennen. Aber um den Sinn von Bots kurzzufassen: Sie simulieren einen Käufer, nur eben viel schneller. Eine Kaufanfrage nennt man „Task“, und ein Bot kann meist bis zu 4000 Tasks runnen, wenn er den richtigen Server gegeben hat.

DAS NETZ: Und diese Bots, woher bekommt man die?

Paul: Bots werden auf verschiedenen Marktplätzen wie Tidal Market oder BotMart verkauft, manchmal mit lebenslangen Lizenzen, manchmal für monatliche Gebühren. Durchschnittlich kosten diese monatlich um die 30€, bewegt man sich aber auf High End Bots zu, so steigt der Preis auch mal in die Tausender. Allerdings ist auch die Anzahl von Bots limitiert. Das erklärt man am besten mit einem Beispiel: Wenn von einem Schuh 1000 Stück verkauft werden, und 100 Bots versuchen, Schuhe zu kaufen, dann bekommt jeder Bot mehr „average pairs per user“, als wenn eine unbegrenzte Anzahl Bots im Umlauf ist und diese Schuhe kaufen könnten. Daraus folgt, dass auch Bots ge-resellt werden und Resell-Preise haben.

DAS NETZ: Um mal auf das Wesentliche zu sprechen zu kommen, wie viel verdient man mit Schuhreselling?

Paul: Das kommt auf verschiedene Variablen an. Allem voran natürlich die Schuhmarke und das Modell, sowie die Quantität. Jordans bringen meistens so 250.000 Paare raus, Yeezy teils doppelt so viel. Wenn man viel Glück hat und seltene Paare wie die Jordan 1 Hyper Royale neulich ergattert, hat man ein ROI von bis zu 230%, ROI steht hier für „return of investment“, also wie viel man vom Investierten zurückbekommt. Durchschnittlich liegt das circa bei 50%, was meistens so $80 entsprechen. Womit man im Moment allerdings das meiste Geld macht, sind Jordan 1 Mids, da sie bei Mädchen sehr beliebt sind, vor allem weil es kleinere Größen günstiger gibt. Aber ultimativ beherrschen die Reseller den Preis. Auf Twitter oder Instagram findet man leicht Bilder von Dealern, die hunderte, tausende Paare kaufen und damit selbstverständlich das Angebot zur Nachfrage regeln können.

DAS NETZ: Wer sind im Allgemeinen Kunden von Resellern?

Paul: Es gibt eine weit gefächerte, internationale Klientel. Viele sind Sammler aus Amerika, die sind meist bereit, für Sammlerstücke horrende Summen zu zahlen, oft sind es aber auch Teenager, die einfach die neusten, coolsten Schuhe und Klamotten haben möchten. Was Geschlechter angeht ist das ziemlich 50/50.

DAS NETZ: Muss man bei solchen Geldbeträgen ein eigenständiges Gewerbe anmelden?

Paul: Auf jeden Fall. Die meisten gründen Einzelunternehmen, seltener sogar GmbHs. Die sind vor allem üblicher, wenn man erfahrener ist und eher in das Bot-Owner oder Proxy-Provider Business gehen möchte.
Um das auch offiziell anmelden zu können, sollte man das über oder zumindest mit seinen Eltern machen. Das wird vor allem nützlich, wenn man wirklich Geld verdienen will und an unterschiedliche Bots unterschiedliche Kreditkarten anschließt, da man dafür auch am besten volljährig sein sollte. Als Minderjähriger geht das mit Bankkonten auch, teilweise auch über Apps wie bunq, anfangs ist es eh mit einer einzelnen Karte getan.

DAS NETZ: Zu guter Letzt: Würdest du Reselling als Nebenjob empfehlen, und wenn ja, was ist zu beachten?

Paul: Erstmal: Ja, ich würde es auf jeden Fall empfehlen. Vor allem für Teenager, da man viel über Geld und Wirtschaft lernt. Trotzdem sollte man nicht denken, dass es einfach gemachtes Cash ist. Man muss sich auch hier etwas aufbauen und Erfahrung sammeln. Was man in Betracht ziehen sollte, sind sogenannte „Slots“. Manche Reseller, die zwar Bots, aber nicht das Geld zum Schuhkauf haben, stellen die Plätze ihrer Bots zur Verfügung. Sie kaufen dann mit deinen Daten (die man natürlich nur an vertrauenswürdige Menschen weitergeben sollte) Schuhe und für jedes Checkout, jedes gekaufte Produkt, verlangen sie einen Anteil, meist 30% bis 40%. Trotz diesem Verlust lohnt es sich auf jeden Fall, ganz besonders am Anfang.

DAS NETZ: Dann bedanke ich mich vielmals für deine Zeit und das interessante Interview!

Paul: Danke, dass ich hier sein durfte!

DAS INTERVIEW FÜHRTE SMILLA KREUZBERG.

Foto: Dawn Arlotta: https://phil.cdc.gov/Details.aspx?pid=11440

Ein Gedanke zu „Reselling – ein Trend aus den USA“

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