Interview mit unserem Hausmeister Carsten Hessler

Immer ein Lächeln auf den Lippen: Carsten Hessler, der gute Geist am Hanns-Seidel-Gymnasium, sorgt seit September 2023 für Ordnung, Sauberkeit und einen reibungslosen Schulbetrieb. Wir möchten unseren 52-jährigen Hausmeister mithilfe einiger Fragen besser kennenlernen.

Das Netz: Was war Ihr Lieblingsfach in Ihrer Schulzeit und auf welche Schule sind Sie gegangen?

Sport. Sport und nochmal Sport. Und das alles in der Schweinheimer Grundschule. Das war die schönste Zeit in meinem Leben. In meiner weiterführenden Schule war es die Musik. Die Musik und nochmal die Musik. Und das Ganze in der Hauptschule Schweinheim. Mit 15 war meine Schulzeit vorbei. Ausgefüllt mit Sport und Musik. Die ganzen anderen Fächer haben mich nicht wirklich interessiert. 

Das Netz: Haben Sie den Hausmeister zu Ihrer Schulzeit gemocht?

Nein. Hausmeister sind in meiner Erinnerung immer ältere, konternde, ungepflegte, unsympathische Männer, denen man irgendwie aus dem Weg gehen musste. Weil nichts Gutes dabei rumkam. Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich versuche, ein anderes Bild abzugeben – weil ich das nicht möchte. Ich möchte weder konternd rumlaufen noch irgendwie optisch unansehnlich, sondern ich will einfach ansprechbar sein. Ich möchte, dass jeder das Gefühl hat, er kann, egal um was es geht, auf mich zugehen. 

Das Netz: Warum haben Sie sich dafür entschieden, Hausmeister am HSG zu werden?

Hmm, die ist nicht einfach zu beantworten, die Frage… weil niemand möchte, glaub ich, als Berufswunsch Hausmeister werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die darin wirklich eine Erfüllung sehen. Und mir ging es genauso. Und nach dem Sport und der Musik war meine dritte große Leidenschaft das Schreinern mit Holz. Und das war auch meine zweite Berufsausbildung – als Schreiner. Nach der Berufsausbildung zum Schreiner habe ich mich selbstständig gemacht. Ich habe 20 Jahre lang eine große Firma geleitet. Das hat mich allerdings so viel Kraft gekostet, dass ich das Gefühl gehabt hab, wenn ich das weitermache, dann werde ich nicht alt…

Eines Morgens sagt meine Frau mir: „Du musst etwas ändern, das geht so nicht weiter!“ Und daraufhin habe ich mir natürlich überlegt: Was mache ich? Und ich habe mir überlegt, ich möchte etwas in der Nähe machen. Etwas, wo ich frei agieren kann. Und ich hätte gern mit Menschen zu tun, mit möglichst vielen. Und vor allen Dingen auch mit Veranstaltungen. Mit kulturellem Engagement und allem, was dazugehört.

Und wie es der Zufall will, war die Stelle in der Zeitung ausgeschrieben. Und dann dachte ich mir so: „Hausmeister? Hmm… das könnte was sein…“ Und bin wieder mal auf Risiko gegangen, hab mich einstellen lassen und muss jetzt im Nachhinein sagen, dass es eine fantastische Entscheidung war, weil es genau das ist, was mich jetzt bis zur Rente treibt.

Das Netz: Was macht Ihnen Spaß an Ihrem Job?

Ihr! Ihr macht mir Spaß! Ich find’s toll, wenn ihr morgens kommt! Ihr bringt alles durcheinander und stellt alles auf den Kopf – und dann bin ich froh, wenn ihr wieder geht. Aber wegen euch findet das alles hier statt. Es ist mir wichtig, dass ihr gern hierherkommt. Und wenn mein Beitrag dazu einfach klitzeklein ist, dann ist er nur klitzeklein, aber ich möchte, dass ihr gern hierherkommt. Ich kann euch nicht Mathe verschönern, ich kann kein Deutsch verschönern, aber ich kann dafür sorgen, dass es einfach sauber und warm ist, und ich kann auch Gespräche führen, um gewisse Sachen einfach runterzuholen.

Das Netz: Was ist die häufigste Aufgabe, die ein Hausmeister machen muss?

Unendlich viele Türen auf- und zumachen. Ich glaube, Türen auf- und wieder zumachen ist das Häufigste, was ich hier jeden Tag mache. Das liegt daran, dass die Türen immer geschlossen sein müssen. Ich muss sie morgens aufschließen und abends wieder zuschließen. An zweiter Stelle kommen die Toiletten. Denn sie sind der meistfrequentierte Ort überhaupt auf dem Gelände und sie machen die meiste Arbeit. Und sie so sauber zu halten mit den Reinigungskräften, dass wenn man reingeht, man sich noch einigermaßen wohlfühlt, ist eine große Herausforderung. Und die dritte große Aufgabe ist Müll aufheben. Wir haben hier elf Hektar und die Schülerinnen und Schüler laufen hier überall rum und dementsprechend wird überall Müll produziert. Und wenn wir nicht regelmäßig unterwegs sind, den Müll aufzusammeln, wären wir innerhalb von zwei Wochen komplett vermüllt.

Das Netz: Gibt es an unserer Schule etwas, das Sie gerne ändern möchten?

Ich erwarte von jedem, auch wenn er einen schlechten Tag hat, einen freundlichen und menschlichen Umgang miteinander zu pflegen. Da muss man professionell genug sein, um das niemanden spüren zu lassen, und einfach seinen Job machen. Wenn das so gelebt werden würde, wären wir einen ganzen Schritt weiter.

Das Netz: Was können wir Schüler und Schülerinnen tun, um Ihnen die Arbeit zu vereinfachen?

Der Müll auf und um das Gelände herum ist sicher etwas, das uns viel Zeit kostet und einfach nervig ist, da denken wir jedes Mal: „Oh Mann, das müsste doch nicht sein!” Hier gibt es überall Mülleimer und man hat ja auch meistens eine Hosentasche, um darin das Schokoladenpapierchen noch zwei Meter weiter zu tragen. Aber ansonsten, alles gut.

Das Netz: Wenn Sie einen Lieblingsort haben, wo wäre dieser an unserer Schule?

Eigentlich ist das ganze Gelände mein Lieblingsort, weil es wie ein Park aufgebaut ist, das hat man selten. Wir haben sehr viele alte Bäume, weite Flächen, dichte Sträucher und Gestrüpp, Grünflächen, die man benutzen darf. Ich komme sehr gerne hierher, auch weil man einfach eine gewisse Freiheit hat.

Das Netz: Um wie viel Uhr beginnt durchschnittlich Ihr Arbeitstag?

Wir schließen um 7 Uhr auf. Da werden dann 24 Türen und Tore aufgeschlossen, damit jeder Zugang zum Gelände hat. Um 18 Uhr wird alles wieder zugeschlossen. Wir sind zu viert und teilen uns das natürlich ein. Es muss nur immer einer da sein.

Das Netz: Arbeiten Sie auch in den Ferien?

Immer. Die Ferien sind unsere Hauptarbeitszeit. Da werden die meisten Handwerksarbeiten gemacht. Der normale Schulbetrieb bekommt von diesen eigentlich gar nichts mit, nur die Notreperaturen. Dacharbeiten, die Grünflächen, die Reinungungsarbeiten, neue Möbellieferungen, Fenster-, Türen- bzw. Fußbodenaustausch – all das findet immer in den Ferien statt. Das ist dann immer ein strammes, sportliches Programm. Da muss dann alles funktionieren, inklusive Endreinigung. Wenn ihr kommt, muss ja alles wieder sauber sein. Es hat aber natürlich auch seine schöne Seite, denn es ist unendlich ruhig.

Das Netz: Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Ich habe eine ganze Menge an Hobbys, aber vor allem Musik, denn ich spiele Schlagzeug. Meinen Sport habe ich aufgehört, der findet heutzutage praktisch in der Schule auf der Arbeit statt. Ich komme täglich auf 10 bis 15 Kilometer, das glaubt man gar nicht!

Das Netz: Vielen Dank für das Interview!

3 thoughts on “Der gute Geist am Hanns-Seidel-Gymnasium”
  1. Der Artikel ist sehr informativ und man erfährt so viele interessante Fakten, die man noch nicht kannte!
    Vielen Dank dafür!

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