Süß, flauschig und selten: Der Rote Panda
An den Hängen des Himalaya-Gebirges, eines Ortes, an dem Rote Pandas natürlicherweise zu finden sind, streift der einzige Vertreter der Katzenbären durch die Büsche. Welch ein atemberaubender Anblick! Mit seinem roten bis orangenen Fell, das auch schwarze Anteile enthält, strahlt er Zufriedenheit aus – und doch wirkt er majestätisch und zugleich süß. Das macht ihn bei vielen Menschen zu ihrem Lieblingstier. Wie auch bei mir – wobei ich alle Tiere liebe.
Der 51 bis 64 Zentimeter große Bär kann bis zu 38 Stundenkilometer schnell, drei bis sechs Kilogramm schwer und acht bis zehn Jahre alt werden. Paarungszeit ist von Anfang Januar bis Mitte März. Hauptsächlich ernährt er sich von Bambus, Vögeln, Eidechsen und generell Insekten.
Zählt er damit nun zu den Fleischfressern oder zu den Pflanzenfressern? Dieser Frage haben sich Forscherinnen gewidmet und sind zu dem Schluss gekommen: Weder noch. Denn er gehört offensichtlich zu den Fleischfressern, was man gut an seinem Ernährungsplan erkennen kann, doch sein Gebiss weist auch auf einen Pflanzenfresser hin.
Wie oben bereits erwähnt gilt er als Katzenbär. Und davon gibt es eben nur eine zugehörige Art: die Roten Pandas. Es dauerte sehr lange, bis die Roten Pandas zu den Katzenbären gehörten. Zunächst vermutete man sie in der Familie der Waschbären, da sie sich sehr ähnlich sehen. Doch später entschied man sich dafür, dass ihre nächsten Verwandten wiederum die Großen Pandas waren. Beide ernähren sich von Bambus und haben den „falschen Daumen“ (unten genauer erklärt). Am Ende ordnete man sie nochmals in die Familie der Marder ein, weil sie beide den Baum kopfüber hinunterklettern. Doch wir wissen bereits, dass all dies nicht stimmt. Sie gehören zur Familie der Katzenbären.
Bambus ist ihre Lieblingsspeise und davon essen sie den ganzen Tag über sehr viel, da er wenige Nährstoffe enthält. Den Bambus halten sie in einer Hand, während sie die Blätter mit den Zähnen abnagen. Dadurch kommen sie gemütlich an den inneren Teil ihres Hauptnahrungsmittels. Wir Menschen haben fünf Finger und damit können wir gut greifen. Doch die Katzenbären haben etwas Besonderes: Wie die großen Pandas besitzen sie sechs Finger. Fünf oberhalb des Handballens und einen wie unseren Daumen. Der so genannte „falsche Daumen“ hat sich im Laufe der Evolution entwickelt und hilft ihnen beim Greifen.
Doch diese faszinierenden, zuckersüßen Tiere haben noch viel mehr kreative und nützliche Anpassungen gefunden:
- Den Bambus essen sie, weil er auch im Winter grünt und überall in ihrer Heimat wächst.
- Durch die sechs Finger können sie ihre Mahlzeiten besser verschlingen.
- Der Schwanz dient auch als Kampfelement, doch viel wichtiger: Dadurch hält der Rote Panda das Gleichgewicht und kann so rückwärts Bäume hinunterklettern und beim Balancieren auf Baumstämmen der Katze ganz schön Konkurrenz machen.
- An den Fußsohlen sind kleine Härchen, die für das Gleichgewicht sorgen. Außerdem bleiben so die Füße immer warm.
- Das dichte Fell macht sie wetterhart.
- Zwar denkt man, dass Rote Pandas leicht in der Wildnis auffallen durch ihr rotes Fell, aber das stimmt nicht. An vielen Stellen ist es schwarz, im Gesicht weiß und an den roten Stellen ist es nicht nur rot, sondern eine Mischung aus vielen Farbtönen. Das Zusammenspiel der verschiedenen Farben hilft ihnen, die optimale Tarnung zu erhalten.
- Ihren Schwanz können sie als Schal umschlingen, während sie schlafen.
Die natürlichen Feinde sind Schneeleoparden und Marder, jedoch ist der größte Feind wie immer der Mensch. Durch die Abholzung der Wälder, ihres Lebensraums, die Wilderei und die Umnutzung in Äcker schwindet der Bestand immer mehr. Nur noch selten sieht man dieses Tier in der freien Wildbahn, sondern meist nur noch im Zoo. Auf der „Roten Liste” wurde er daher auch als stark gefährdet mit Faktor abnehmend eingestuft. Es gibt schätzungsweise nur noch 2.500 ihrer Art in freier Natur. Leider ist der Bestand in den letzten 20 Jahren um 50 Prozent zurückgegangen. Dies ist eine erschreckende Zahl. Doch was soll man machen? Man kann sich engagieren, indem man Menschen davon erzählt (Aufklärungsarbeit) oder spendet. So kann man sich auch gegen den Handel mit Roten Pandas einsetzen. Zum Beispiel kämpft der WWF (World Wide Fund For Nature) für den Erhalt dieses Tieres.
Das Leben aus der Sicht eines Roten-Panda-Babys
Da es sehr wenige Rote Pandas gibt, war meine Geburt eine Freude für jeden. Auch für die Menschen, obwohl die doch alles zerstören. Ganz genau weiß ich, wie es sich anfühlte, auf der Welt zu sein. Dieses Gefühl, diese Geräusche. Anfangs hatte ich bereits Fell, was nicht viele der anderen Tiere von Geburt an haben. Die ersten Tage lag ich nur da, schlief und aß. Meine Mutter wollte mich nie allein lassen, und wenn, dann nur um zu fressen. Doch wie jedes Kind wurde ich lebendiger. Und als ich zweieinhalb Monate alt war, hatte ich bereits rotes Fell und war länger wach. Der schönste Moment meines Lebens war, als ich ungefähr drei Monate alt war. Denn dann war ich alt genug, um rauszugehen – die Höhle zu verlassen, alles zu erkunden, die Gerüche, die Farben, die Pflanzen. Das faszinierte mich. Das Jagen, das Fressen und das Klettern lernte ich. Mit sechs bis zwölf Monaten wurde ich unabhängig und mit einem Jahr zog ich weg von meiner Mutter. Und flugs wurde ich erwachsen. Mit zwei Jahren brachte ich drei Junge zur Welt und kümmerte mich allein um sie. Im Durchschnitt bekommen wir ein bis vier Junge. Ansonsten war jeder Tag wie immer, wie im Leben eines Roten Pandas eben.
Erstaunliche Informationen
Der Schwanz des Roten Pandas kann fast so lang werden wie sie selbst: Manchmal sind sie ganze 48 Zentimeter lang. Und nicht nur das ist erstaunlich. Rote Pandas können bissig sein, und ihre Krallen sind scharf und lang, damit sie sich gut verteidigen und Bäume erklimmen können. Außerdem symbolisiert der Rote Panda Geduld. Er soll zeigen, dass du mit Geduld jede Prüfung bestehen kannst. Der älteste aller Roten Pandas wurde 17 Jahre alt und wuchs im Leipziger Zoo auf.
Das Schutzprojekt in Buthan
Die Buthaner verehren die Katzenbären als heilige Tiere, weil sie Glück geben sollen, wenn man sie sieht. Deshalb gibt es im Buthan auch ein Roter-Panda Schutzprojekt. Daran beteiligt war die Charles Sturt Universität Australien, der WWF Bhutan und das Red Panda Network.
Lebensweise
Rote Pandas sind dämmerungs- bis nachtaktiv und schlafen tagsüber manchmal ganze 17 Stunden zusammengerollt in einem Baum. Deshalb können sie nachts auf die Jagd gehen und kleinere Tiere fangen oder ihr Revier markieren, da sie Einzelgänger sind. Dabei müssen sie viel klettern, worauf sich ihr Körper exzellent angepasst hat. Nur zur Paarung treffen sich Rote Pandas – den Rest des Jahres sind sie Einzelgänger. Hauptsächlich kommunizieren sie über Duftmarken, aber auch ihr Schwanz weist auf ihre Stimmung hin. Sie sind sehr territorial und bevorzugen es, an einem Ort zu bleiben.
Die Welt des Roten Pandas hoch oben in den Bäumen erinnert uns daran, wie vielfältig die Tierwelt ist, die es zu schützen gilt.
Quellen:
https://www.tierchenwelt.de/raubtiere/627-roter-panda-waschbaer.html
Bild: Frida Stegmann