Impressionen aus dem Corona-Sommer 2020

Ein kurzes Vorwort:  Dieser Artikel steht im Zusammenhang mit einem Gedicht. Beide sind eine Art, das erste der berüchtigten Coronajahre, 2020, zu verarbeiten, beziehungsweise eine Art, es wahrzunehmen. Als kurze Vorwarnung: Auch wenn davon viel gesprochen wird, weder ich noch die Autorin des Gedichtes haben den Sommer im Dauersuff verbracht, im Gegenteil: Wir sind riesige Nerds und rühren keinen Tropfen an! Dementsprechend ist nicht alles in diesen Schriften wörtlich zu nehmen, außer es ist explizit als Bericht gekennzeichnet.  

Hier geht es zum erwähnten Gedicht:

„Times when life hits different: Summer 2020” 

Ich habe gerade ein ziemlich unspektakuläres Video auf Instagram angezeigt bekommen mit dem Titel „Times when life hits different“. Ich konnte nicht schnell genug weiterscrollen, also habe ich Nummer Eins mitbekommen: „Summer 2020“. Das hat mich stocken lassen. 

Sommer 2020. Ja, damals hat sich Leben wirklich anders angefühlt. Aber warum? 

Im Sommer 2020 durften wir alle versuchen, irgendwas aus unseren ‚besten‘ Teenage-Jahren zu machen, während eine Pandemie mit allen Mitteln versucht hat, uns daran zu hindern. Aber um ehrlich zu sein, jetzt, im Dezember 2021, erinnere ich mich an weniger, als mir lieb wäre. Man könnte meinen, Pandemiejahre würden einem im Gedächtnis bleiben, vor allem, wenn es nicht mal zwei Jahre her ist, aber nein… 

Selbstverständlich erinnere ich mich an ein paar Schlüsselpunkte. Ich habe meinen guten Online-Freund zum ersten Mal besucht, irgendwas war mit Homeschooling, in den Sommerferien habe ich meinen Onkel am Chiemsee besucht, meine beste Freundin war dabei. Ich erinnere mich an relativ viel Regen, ich hatte eine Phase, in der ich dachte, Zeichner/Animateur zu werden (die sich dann ganz schnell wieder gelegt hat), mein Musikgeschmack hat sich drastisch verbessert. Aber ich weiß nicht mehr, ob wir damals im Wechselunterricht waren oder vollständig anwesend. Ich kann mich kaum noch an mein Klassenzimmer erinnern. Ich weiß nicht, was ich die anderen vier Wochen der Sommerferien gemacht habe (oder waren es drei?). Ich weiß nicht mehr, ob ich mich auf September gefreut habe. Nicht mehr, ob ich dachte, die Pandemie wäre so gut wie rum. Man könnte meinen, mein Gehirn wäre dazu fähig, oder?  

Sommer 2020 war nicht vergleichbar mit irgendetwas anderem, weder davor, noch danach. Vielleicht erinnere ich mich nicht daran, weil ich es nicht wusste. Hätte ich mich freuen sollen? Wäre es wichtig gewesen, ob die Pandemie endet oder nicht?  

Ich schätze, wir werden nie wissen, wie es anders ausgegangen wäre. Vielleicht bin ich auch die Einzige, auf die „Summer 2020 hits different“ zutrifft (dann wäre das ein verdammt guter Algorithmus von Instagram). Aber alle meine Gedanken an diesen Sommer sind irgendwie verschwommen, unklar, viel zu weit weg.  

Kennt ihr diese leicht verschwommenen, abends aufgenommenen Bilder von amerikanischen Jugendlichen, oft mit Converse-Schuhen, auf Autos sitzend, und man spürt faktisch den Alkohol, und man weiß, dass in den Gedanken der Teenager nur eine ständige Hassrede auf Ältere, auf „Genieße es, solange du jung bist“, auf Schule und alles, was man sich nur irgendwie vorstellen kann, hoch und runter geleiert wird? So hat sich Sommer 2020 angefühlt.  

Nicht der lustige Teil. Nicht der Teil mit Freunden, lachend auf irgendwelchen Parkplätzen oder so. Das war nicht Sommer 2020. 

Eher so das Gefühl, wenn alle um einen herum lachen, man nimmt einen Schluck billigen Alkohol aus einer viel zu leichten Flasche, und auf einmal wird alles langsam und fern, und man realisiert, was man eigentlich tut. Dieses überfordernde, erschlagende Gefühl, dass man eigentlich absolut keine Ahnung hat, was man auf diesem Planeten eigentlich tun sollte. Niemand hat uns darauf vorbereitet, die Welt zu retten, niemand hat uns das statt einem Aufsatz schreiben lassen, niemand hat uns das YouTube-Tutorial dafür gezeigt. So hat sich Sommer 2020 angefühlt. 

Aber vielleicht war das auch nur ich. 

Besagtes Instagram Video: https://www.instagram.com/p/CXY9ekRFkzG/  

Foto: Leonie Blümel

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