Ein abenteuerliches Jahr im Outdoor College in Norwegen

Das Schuljahr 2019/2020 war ein ganz besonderes für mich: Ich verbrachte es nämlich nicht am HSG, sondern zusammen mit 30 Schülerinnen und Schülern im Outdoor College in Norwegen. Das Outdoor College ist ein Naturschulprojekt und liegt im Südwesten Norwegens, genauer gesagt in Sirdal, einem langen Tal. Dort gibt es außer ein paar Dörfern und Städten nur noch die Sirdal Huskyfarm – und natürlich auch die Dr. Rolf Hofmann Skole, die unser Zuhause war. Ansonsten ist weit und breit „nur“ die wunderschöne, unberührte Natur Norwegens. Man befindet sich dort also mitten im Nirgendwo – und das ist auch gut so. Es ist dort nämlich viel einfacher, in die Natur zu gehen, in ihr zu lernen und zu leben. Und genau das haben wir auch täglich gemacht: rausgehen, genießen, schauen und viel lernen, und zwar mit und in der Natur. Nicht nur manche Tiere und Pflanzen, sondern vor allem uns selbst und die Gruppe lernten wir kennen.

Wir waren aber natürlich nicht den ganzen Tag draußen, da wir ja auch etwas zu essen brauchten und leider auch die Schule nicht zu kurz kommen durfte. Kam jeden Tag ein Koch oder eine Köchin? Nein, wir kochten das Essen selber und konnten uns auch aussuchen, was wir wann essen wollten. Jeden Tag wurden die Speisen vom jeweiligen Haushaltsteam zubereitet. Ein Team bzw. eine Gruppe bestand aus acht Schülern bzw. Schülerinnen und mindestens einem/-r Tutor/-in. Von diesen Gruppen gab es insgesamt vier, und sie übernahmen alle anfallenden Aufgaben. Damit es nicht langweilig wurde, wechselten die Teams jeden Tag. Das Haushaltsteam putzte, zusätzlich zum Kochen, noch die Schlafhäuser und das Haupthaus. Putzpersonal gab es dementsprechend auch nicht. Damit den Anderen, die nicht im Haushalt tätig waren, nicht langweilig wurde, gab es noch zwei andere Tagesabläufe: zum einen Schule und zum anderen die Huskyfarm. Unterrichtet wurden wir nach dem schleswig-holsteinischen Lehrplan für die neunte Klasse an drei Tagen in der Woche – in fast allen Fächern, die es auch am HSG gibt. Allerdings wurden die Fächer auch öfter zusammengelegt, um zum Beispiel bilinguale Projekte durchzuführen. So haben wir in Englisch-Bio Gelenke gebaut oder in Mathe-Geo-NaWi (Naturwissenschaften) nachhaltige Wohnhäuser entworfen und umgesetzt. Der Unterricht war sehr viel freier und praxisorientierter, was unglaublich viel Spaß machte!

Nun endlich zur Huskyfarm. Wie am Anfang schon erwähnt, ist das einzig Attraktive des Tals (außer der Natur) die Sirdal Huskyfarm. Während meines Aufenthaltes lebten dort 34 Alaskan und 2 Siberian Huskys, die darauf warteten, von uns trainiert zu werden. Huskys sind nämlich Schlittenhunde, die gar nicht genug vom Rennen bekommen können. An einem Tag auf der Farm kümmerten wir uns um die Hunde, indem wir sie aus ihren Zwingern ließen, mit ihnen schmusten, sie fütterten und natürlich mit ihnen Hundeschlitten fuhren. Im Sommer trainierten wir mit einem Wagen und sechs Huskys im Gespann. Wegen der unterschiedlichen Schneebedingungen und weil der Schlitten etwa 100 kg weniger wiegt als der Wagen, fuhren wir im Winter meistens nur mit vier Hunden. Sie lieben es zu laufen, und vor allem in der Bergen sind sie nicht zu stoppen!

Auch wir waren in den Bergen nicht zu stoppen – egal ob Wandern, Kanufahren, Ski- oder Hundeschlittenfahren, wir waren für alles bereit. Jeden Monat waren wir für eine Woche auf Tour und dann einfach in der Natur unterwegs. Geschlafen wurde in Zelten, unter Tarps (Abdeckplanen) oder in Hütten (aber nur ab -15°C), und unsere Wegweiser waren Karte und Kompass. Unsere erste Tour hat uns mit dem Kajak über den Lysefjord geführt, vorbei am Preikestolen, an Robben und Natur pur. Das Wetter war wunderschön, sodass wir keine Probleme hatten, uns Essen zu machen. Gekocht haben wir dieses auf Gas- /Spirituskochern, den sogenannten Trangia. Auch an den Wochenenden waren wir viel unterwegs. Zweimal haben wir für drei Tage eine Hundeschlittentour gemacht. Mit sechs Hunden und Schlitten sind wir nach Kvinen, einer großen Hütte, aufgebrochen und folgten den Schneescooterspuren, bis wir schließlich ankamen. An der Hütte haben wir zuallererst die Hunde versorgt: an die Kette legen, dehnen, massieren, kuscheln, loben und schließlich tränken und füttern. Erst dann konnten wir uns um uns kümmern, denn die Hunde stehen an erster Stelle! Die Touren waren jedes Mal ein Highlight, auf das wir uns gefreut haben. Natürlich haben wir noch sehr viel mehr gelernt, zum Beispiel Selbstständigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt gegenüber den Anderen. Wer gerne draußen ist und viel über sich selbst und die Natur lernen möchte, ist genau richtig im Outdoor College in Norwegen. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, schaut doch mal auf der Homepage:

www.outdoor-college.de

Fotos: Maja Heinrich

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