Der Ig-Nobelpreis soll die Menschen zum Lachen und Nachdenken bringen

Antworten auf Fragen, die niemals jemand stellen wird: Genau dafür wird der Ig-Nobelpreis, auch als Anti-Nobelpreis bezeichnet, schon seit 1991 verliehen. Denn hat sich nicht jeder schon einmal gefragt, mit welcher exakten Wahrscheinlichkeit Michail Gorbatschow der Antichrist ist? 

Der Ig-Nobelpreis stellt einen Gegenpol zum normalen Nobelpreis dar, ausgezeichnet werden Forschungen, die Menschen erst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen sollen.  

Vergeben wird die Auszeichnung von einer Jury aus Nobel- und Ig-Nobelpreisträgern und vielen mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten – so wird am letzten Tag ein willkürlich ausgewählter Passant zur Entscheidung eingeladen. 

Wird man mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet, so erhält man nicht nur eine handgefertigte Trophäe, sondern auch einen Scheck von zehn Billionen simbabwischer Dollar – eine Währung, die seit 2009 faktisch außer Kraft gesetzt wurde. Doch neben dem Scheck von ganzen 2,50 Euro kommt einem bei der Ehrung auch noch ein Schwung Papierflieger entgegen. Entfernt werden diese von dem Besenmeister, dessen Rolle Roy Glauber, ein US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger, bis 2018 einnahm.  

Doch auch wenn man, wie das Motto besagt, vielleicht zum Nachdenken angeregt wird – ob die Erkenntnisse wirklich nützlich sind, ist fraglich. Aber wer weiß, ob diese Ergebnisse nicht doch dem einen oder anderen das Leben verbessern: 

  • Bei Ärger über den Arbeitgeber ist es hilfreich, seinen Frust über den Chef an Voodoo-Puppen auszulassen. Dass diese Herangehensweise tatsächlich hilft, sich besser zu fühlen, bewies ein Team aus Kanada.
  • Will man seine neue weiße Bluse nicht mit Kaffeeflecken ruinieren, so hilft Jiwon Hans Physikarbeit vielleicht weiter. Sein Geheimrezept: Becher von oben festhalten, geradeaus schauen – und rückwärtslaufen 
  • Es geht doch nichts über guten Schlaf, ohne Schnarchen, ohne jegliche Schlafbeschwerden. Alles, was man dafür braucht, sind 30 Euro für ein Didgeridoo, und einige Übung, um es spielen zu können. Die spezielle Atemtechnik namens Zirkularatmung, die fürs Spielen benötigt wird und bei der man gleichzeitig über die Nase Luft einatmet und den Ton des Musikinstruments über das entsprechende Aufrechterhalten des Drucks über die Backen hält, verbessert den Schlaf. Haben die Mitbewohner keine Lust auf ein wenig australische Musik oder hat man einfach kein Geld für ein Didgeridoo, kann man die Zirkularatmung auch mit einem Glas Wasser und einem Strohhalm üben.  
  • Macht man sich ein schlechtes Gewissen, weil man seine beiden Freunde mal wieder nicht auseinanderhalten konnte, dann kein Stress: Forscher aus Italien, Spanien und Großbritannien haben nachgewiesen, dass sich viele eineiige Zwillinge selbst nicht auseinanderhalten können 

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Ig-Nobelpreis für Forschungen verliehen wird, von denen niemand wusste, dass er sie braucht. Umso wichtiger sind sie deshalb – nicht weil sie notwendige Erkenntnisse brachten, sondern einfach, weil es einen zum Lächeln bringt, auf welche Ideen ein Mensch kommen konnte.

Foto: Paulina Heeg

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